... die es ja bekanntlich am Niederrhein-Kolleg gar nicht gibt, in der deutschen Geschichte aber sehr wohl. Um den Alltag der Menschen in Deutschland seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges im Jahre 1945 unmittelbarer vor Augen geführt zu bekommen, fuhren Studierende des derzeitigen fünften Semesters am 19.01. nach Bonn, genauer, in das Haus der Geschichte.

Die unterste Ebene der Ausstellung, die mit dem Sieg über Hitler beginnt, widmet sich der Nachkriegszeit, insbesondere der Flucht und dem Schwarzmarkt, aber auch der enormen Improvisationskunst der Menschen im entbehrungsreichen deutschen Nachkriegsalltag: Christbaumständer aus einer Granathülse, ein Sieb aus einem alten Helm oder das Kommunionskleid aus Mullbinden seien an dieser Stelle nur beispielhaft für die damalige Kreativität der Menschen genannt.

Nach dem Durschreiten eines "Rosinenbombers" und dem Einblick in die Gründungsphase der Bundesrepublik nahmen die Studierenden dann erstmal Platz in den alten Sitzbänken des ersten Bundestages von 1949. Manch einer wähnte sich hier hinsichtlich des Komforts irgendwie im Physikraum des NRK...

Wir schlichen uns erfolgreich am Sowjetpanzer vorbei, der 1953 gegen die Bevölkerung in der DDR eingesetzt worden war. So warteten dann auf uns das Wirtschaftswunder der Adenauerzeit und nach dem Gänsehautfeeling aufgrund des legendären Helmut-Rahn-Schusses kam es dann zu der wohl prägendsten Begegnung an diesem Tag und zwar in einem originalen italienischen Eiscafe der 1950er Jahre.

 

 

Da war er, besser gesagt, da tanzte er und das in wilder Manier zu Rock 'n' Roll aus der Juke-Box. Ein Gast, insgeheimer Unterstützer unserer kompetenten Führung oder gar ein Zeitzeuge? Wir waren uns da nicht ganz sicher. Ganz sicher ging es dann aber zumindest aus DDR-Sicht irgendwann an der Mauer zu, was durch leider sehr eindrucksvolle Exponate und die besondere Inszenierung "untermauert" wurde.

Aber nicht nur tanzen konnte der Mann, nein auch Anekdötchen zu seiner Version des ausgestellten VW-Käfer-Modells klangen an sowie ein recht routiniert anmutendes "Ho-Ho-Ho-Chi-Minh" vor dem zweiten VW-Auto in der Ausstellung, einem wunderbar anzusehenden VW-Bully im Flower-Power-Stil. Manch einer unserer Gruppe schaute unwillkürlich und schmunzelnd ob dieser Gesangseinlage auf die am Bully hängenden spitzblättrigen Pflanzenatrappen... und auch unsere sehr kompetente Führung wusste ihre unplanmäßige Unterstützung nicht anders als mit einem Schmunzeln zu quittieren.

Und dann waren wir schon mitten drin in der deutsch-deutschen Entspannungsphase der 1970er Jahre, eng verbunden mit Willy Brandt. Bald darauf wurden wir Zeugen, wie der ein wenig unorganisiert wirkende Günther Schabowski über seine Lesebrille schauend mit seinen mindestens ebenso wenig eleganten Worten die Mauer durchlöcherte und den Prozess der deutschen Wiedervereinigung schlagartig in Gang setzte.

Nach einem Blick auf Jens Lehmanns legendären Elfmeter-Spickzettel wurde der äußerst kurzweilige und sehr informative Rundgang dann nicht von unserer Führung beendet, sondern von einer beinahe menschengroßen Variante der Amazon-Alexa, die man zu verschiedenen Exponaten kommandieren konnte. Wobei uns allen die menschliche Variante angenehmer erschien und sich hinsichtlich der wohl noch nicht im Ansatz absehbaren Folgen der Digitalisierung ein wenig Nachdenklichkeit breit machte...